Digitalisierung und Senioren

Digitalisierung als Chance: Zukunftsorientierte Seniorenpolitik in Berlin

Ein Beitrag von Dr. Khalil Dindarian

Digitalisierung darf in der Seniorenpolitik nicht nur als Herausforderung oder Risiko betrachtet werden. Richtig gestaltet ist sie eine große Chance für Selbstständigkeit, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe. Entscheidend ist, dass Seniorinnen und Senioren nicht „abgehängt“ werden, sondern als aktive Mitgestalter einer modernen Stadt verstanden werden.

Bildung endet nicht mit dem Renteneintritt. Gerade im Alter braucht es Zugang zu Lernen, Forschung und digitalen Angeboten – und die Möglichkeit, Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz (KI) nicht nur zu erleben, sondern mitzuprägen.

1. Bildung, Forschung & Digitale Teilhabe – drei Bausteine für Zukunftsfähigkeit

Eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik stärkt:

· lebenslanges Lernen und Engagement,

· die Einbindung von Senior*innen in Forschung und Wissensprozesse,

· digitale Kompetenzen sowie einen verantwortungsvollen Einsatz von KI in der Pflege.

Damit wird Digitalisierung nicht zu einem Problemfeld, sondern zu einem Instrument, das Lebensqualität verbessert und Solidarität zwischen den Generationen stärkt.

Konkrete Ideen für Berlin

1) Digitale Nachbarschaftscafés einrichten

In Stadtteilzentren oder Bibliotheken entstehen offene Treffpunkte, in denen Senior*innen digitale Anwendungen üben können – mit Tablets, WLAN und geschulten Ehrenamtlichen.

Aufgaben:

· Bezirksgeschäftsstellen einbinden, um geeignete Standorte in den Ortsverbänden zu identifizieren

· Kooperationen mit Bibliotheken, Nachbarschaftszentren und Wohlfahrtsverbänden prüfen

· Vor-Ort-Ansprechpersonen und feste Zeiten etablieren

2) Seniorinnen und Senioren als Mentorinnen und Mentoren gewinnen

Programme fördern, in denen Ältere ihre Berufs- und Lebenserfahrung an Jüngere weitergeben – z. B. durch Nachhilfe, Handwerkskurse oder Projekte mit Lebensgeschichten.

Aufgaben:

· Schulämter, Handwerkskammern, Volkshochschulen und weitere Organisationen einbinden

· Kooperationen mit Schulen, Ausbildungsbetrieben und Jugendzentren anstoßen

· Anerkennungssysteme entwickeln (z. B. Ehrenamtskarte, Vergünstigungen)

 

 

 

3) Bürgerforschung leicht zugänglich machen

Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungsinstituten und Umweltprojekten, bei denen Senior*innen Daten sammeln oder Erfahrungen einbringen können – etwa bei Naturbeobachtungen, Gesundheitsstudien oder Stadtteilprojekten.

Aufgaben:

· Kontakte zu Universitäten und Forschungsinstituten aufnehmen

· Pilotprojekte vereinbaren, die Senior*innen aktiv beteiligen

· Digitale Plattformen zur Beteiligung entwickeln oder vorhandene Angebote nutzen

4) Niedrigschwellige Lernangebote starten

Kostenfreie Mini-Kurse (1–2 Stunden) zu Alltagsthemen wie Online-Banking, Gesundheits-Apps oder digitaler Sicherheit – in einfacher Sprache und mit direktem Nutzen.

Aufgaben:                                  

· Bürgerämter, Schulen und Krankenkassen (z. B. AOK, TK, SBK) in den Bezirken einbinden

· Vereine und Stiftungen als Partner für Räume und Ehrenamt gewinnen

· Sicherstellen, dass Angebote praxisnah, verständlich und alltagstauglich bleiben

5) KI in der Pflege transparent machen – mit Senior*innen

Pilotprojekte, bei denen Seniorinnen als Testgruppen beteiligt werden, um neue Technologien realistisch zu erproben. Parallel: Schulungen für Pflegekräfte und Seniorinnen über Chancen, Risiken und Rechte beim Einsatz von KI.

Aufgaben:

· Kontakte zu medizinischen Universitäten, Pflegeschulen und Institutionen aufbauen

· Kooperationen mit Kommunen und Pflegeeinrichtungen zur praktischen Erprobung starten

· Ethische Leitlinien gemeinsam mit Senior*innen Vertretungen entwickeln

Fazit: Digitalisierung muss verbinden – nicht ausgrenzen

Eine moderne Seniorenpolitik sieht Digitalisierung nicht als Gefahr, sondern als Weg zu mehr Teilhabe, Sicherheit und Selbstbestimmung.

Zukunftsfähigkeit bedeutet:

· lebenslanges Lernen ermöglichen,

· Engagement fördern,

· Forschung öffnen,

· digitale Kompetenzen stärken,

· und KI in der Pflege verantwortungsvoll gestalten.

So wird klar: Seniorinnen und Senioren sind nicht das Risiko einer modernen Gesellschaft – sie sind ein Teil ihrer Lösung.

Berlin, 16.01.2025