Was Politik in Berlin für ein gutes Leben im Alter tun muss

Was Politik in Berlin für ein gutes Leben im Alter tun muss

Ein Beitrag von Dr. Khalil Dindarian

Teaser: Mit dem Ruhestand beginnt für viele Menschen ein neuer Lebensabschnitt. Damit ältere Menschen in Berlin sicher, gesund und selbstbestimmt leben können, braucht es klare politische Schwerpunkte – von barrierefreier Mobilität über bezahlbare Pflege bis hin zu Begegnungsorten gegen Einsamkeit.

1) Sicherheit und Mobilität

Sichere Wege, gute Beleuchtung und barrierefreie Haltestellen sind Grundvoraussetzungen. Der öffentliche Nahverkehr muss für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl einfach nutzbar sein. Ergänzende Angebote wie Rufbusse können dort helfen, wo reguläre Verbindungen fehlen. Ebenso wichtig: besserer Schutz vor Betrug – an der Haustür, am Telefon und im Internet.

2) Gesundheit, Pflege und Vorsorge

Gesundheitsversorgung muss gut erreichbar sein – am besten wohnortnah und ohne lange Wege. Unterstützung sollte frühzeitig ansetzen, zum Beispiel durch verständliche Beratung in den Stadtteilen oder bei Bedarf auch zu Hause. Pflegende Angehörige brauchen mehr Entlastung, damit Pflege in der Familie möglich bleibt, ohne zu überfordern.

3) Pflegekosten: Pflege darf nicht arm machen

Pflege darf kein Armutsrisiko werden. Politik muss daran arbeiten, Pflege bezahlbar zu halten und Betroffene besser zu unterstützen. Dazu gehört auch Transparenz: Welche Leistungen stehen zu, welche Kosten können, entstehen, und wo gibt es Hilfe?

4) Wohnen im Alter: Wahlfreiheit ermöglichen

Viele Menschen wünschen sich eine Wohnung ohne Stufen, mit Aufzug und guter Anbindung. Andere möchten in einer Wohngemeinschaft leben oder in einem Haus mit mehreren Generationen. Politik sollte dafür sorgen, dass es echte Wahlmöglichkeiten gibt – und dass gute Beratung bei der Entscheidung hilft.

5) Digitale Teilhabe und neue Technik

Digitale Angebote gehören heute zum Alltag – vom Fahrkartenkauf bis zum Behördengang. Ältere Menschen brauchen dafür Unterstützung, etwa durch Kurse, Anlaufstellen und einfache Hilfen. Wenn Technik oder Künstliche Intelligenz in der Pflege eingesetzt wird, braucht es klare Regeln: Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen.

6) Mitmachen statt nur versorgt werden

Ältere Menschen haben Erfahrung und Wissen, das unserer Gesellschaft nutzt. Engagement im Ehrenamt, lebenslanges Lernen oder der Einsatz als Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in Schulen stärkt den Zusammenhalt. Auch Projekte in den Stadtteilen, bei denen Bürgerinnen und Bürger mithelfen und ihr Wissen einbringen, sollten gezielt unterstützt werden.

 

 

7) Kultur und Begegnung gegen Einsamkeit

Einsamkeit ist ein ernstes Problem. Begegnungsorte wie Nachbarschaftstreffs, Seniorencafés und offene Kulturangebote schaffen Kontakte und Teilhabe. Diese Orte sollten verlässlich gefördert werden – und für alle zugänglich sein.

8) Beratung: Orientierung muss leichter werden

Viele Menschen wissen nicht, welche Möglichkeiten sie haben – bei Pflege, Wohnen oder Sozialleistungen. Politik sollte zentrale Beratungsstellen, digitale Hilfen und Lotsendienste stärken, die verständlich informieren und Wege abkürzen.

Fazit

Politik kann nicht alles allein lösen. Aber sie kann die richtigen Rahmenbedingungen schaffen: mit vernetzten Angeboten, einer altersfreundlichen Stadtentwicklung und einer Strategie, die die Generationen zusammenbringt. Der Staat setzt den Rahmen – und unsere Gesellschaft füllt ihn mit Leben.